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Nachtangeln, öde oder unheimlich?
#1
Neulich unterhielt ich mich mit einem alten Klassenkameraden beim Griechen über die "guten, alten Zeiten", und er wollte wissen, ob ich noch immer angele.
"Klar, und seit wir das damals von allerlei schwimmenden Untersätzen probierten, bin ich darüber sogar noch zu einem Motorboot gekommen", erklärte ich. Er nahm einen Schluck Bier, sah mich offen an und meinte: "Angeln ist doch soooo langweilig, und in einem kleinen Boot zu hocken und auf seine Angelrute zu starren, ist doch nun der ödesete Vorgang überhaupt." Öde? Der Mann hatte keine Ahnung. Der hätte mal mit mir nachts unterwegs sein müssen, wenn andere Leute sich in ihrem warmen, sicheren Bett räkeln, und zwischen sich und der Welt da draußen eine feste Tür haben , die sie hinter sich abschließen können.
"Pass mal auf: Ich entnehme Deinen Worten, dass du noch nie eine Nacht in einem Boot verbracht hast. Wenn ich da an die vielen Nächte denke, in denen meine Freunde und ich auf den Nebenarmen der Weser unterwegs auf Aalfang waren...! Zur Schwärze des Himmels kam die unheimlich gurgelnde Schwärze des Wassers, geheimnisvoll, bedrohlich...

Alles, was außerhalb des kleinen Lichtkreises unserer Petroleumlampe war, ließ sich nur ahnen. Schaltete man die Taschenlampe ein, so funkelten einen tausend Augen aus der Dunkelheit an, und du wusstest nicht, ob sie zu einem Fleischfresser oder friedlichen Lebewesen gehörten. Merkwürdige Dinge geschahen unter dem Boot. Leises Klopfen entlang des Rumpfes, merkwürdige Schleifgeräusche, und genau vor dir taucht ein riesiges Büschel Gras oder Schilf auf. Du nimmst deine Rute auf, weil es nicht in deiner Schnur hängen bleiben soll, da siehst du in dem fahlen Licht der Lampe einen Stiefel verkehrt herum in dem schwimmenden Gras stecken. Und eigentlich möchtest du nicht wissen, ob da noch etwas unter und in dem Stiefel steckt...

Oder du möchtest den Anker lichten und ziehst und ziehst, aber etwas hält dich fest. Selbst der zäheste Schlick kann dich nicht so halten und du zerrst an der Leine und vor dir taucht etwas riesiges, dunkles aus dem Wasser, und es ist an deiner Ankerleine. Du schreist, du schüttelst dich, du lässt die Leine los und das Furchtbare versinkt gurgelnd in der Tiefe. Erst nach einer halben Stunde traust du dich erneut, die Leine ins Boot zu ziehen und der Anker folgt willig und ohne zu haken....
Eine Nacht verbrachten wir auf unserem Boot am heimatlichen Steg. Ich wurde wach, weil etwas rhytmisch von unten gegen das Boot schlug. Mit einer starken Lampe leuchtete ich die Umgebung des Bootes ab, da ich annahm, es sei ein Baum oder Holz, das sich unter Steg und Boot verfangen hatte. Mit einer Stange versuchte ich unter dem Boot zu ertasten, was da so klopfte. Ich fand... nichts! Ich legte mich bäuchlings auf den Steg und leuchtete in das düstere Wasser und schaute direkt in zwei Augen! Sie sahen mich an , kalt , tot, unwirklich! Sie konnten einem Reh oder Schaf, einer Kuh oder was auch immer gehören, und bevor ich mich entschließen konnte, das tote "Was auch immer" mit einem Strick zu sichern, verschwand es in der Tiefe und das Klopfen hörte auf.

Ein brennendes Boot trieb eines Nachts mit der Flut den Fluss herauf, trieb quer vor unseren Steg und setzte zwei Boote und den Steg in Brand. Wir konnten die Boote retten, der Steg wurde beschädigt, die brennende Yacht brannte völlig aus. Als man sie bergen wollte, fand man achtern eine Leine, die ins Wasser hing. Daran , im Wasser treibend der Skipper, der sein Boot angezündet und sich selber erschossen hatte.
Ich könnte dir noch ein paar von diesen "öden" Gute-Nacht-Geschichten erzählen, aber natürlich hast du recht: wann passiert einem das schon mal? "

Die Augen meines gegenübers waren groß geworden. Mit starrem Blick sahen sie mich an. Sein Mund war weit geöffnet, die Härchen an seinen Armen hatten sich aufgestellt und auch sein Kopfhaar schien fülliger geworden zu sein. Lag es daran, dass ihm die Haare zu Berge standen? Er schluckte trocken, setzte sein Glas Bier an die Lippen und trank es in einem Zug aus. "Ich glaube, ich fahre mit dem Taxi nach Hause", murmelte er.

********************

Dies war ein kleiner Rückblick auf Geschichten, die in meinen Büchern enthalten sind. Für die Angler empfehle ich folgende Titel:
Wasser, Fische und Agenten (im Handel nicht mehr erhältlich, beim Autor, also bei mir, über die Internetseite zu bekommen)
Vom Angelkahn zur Motoryacht , ISBN 9783866750777, Mohland Verlag, im Buchhandel, beim Verlag, beim Autor erhältlich
Petrus' starke Truppe, ISBN 9783866751002, Mohland Verlag, im Buchhandel, beim Verlag, beim Autor erhältlich


Vielleicht könnte hier jemand von Euch noch die eine oder andere unheimliche Geschichte vom Nachtangeln erzählen, von der geheimnisvollen, mondbeschienen Wasserfläche, aus der plötzlich Dinge auftauchen, die man eigentlich gar nicht sehen wollte? Passiert es doch öfter, als man tagsüber zugeben möchte? Bin gespannt.
Dicke Brocken und nicht vergessen..., Petrus drückt ein Auge zu .
Gruß vom Petrusautor Claus
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#2
Sodele, nach einer Woche Stress habe ich es endlich mal wieder vor den Pc geschafft!

Eine gruselige Geschichte vom Nachtangeln?
Da fällt mir spontan doch eine ein...

Es war ein schöner, warmer Sommerabend und langsam ging die Sonne unter. Mein Kumpel hatte seine Freundin mit auf Karpfenjagd genommen und so wurde es doch ein recht witziger Abend. Gegen 23.00 Uhr gingen dann aber die Zigaretten von meinem Anglerkollegen aus und er musste sich neue besorgen. Da seine Freundin allerdings nicht alleine bei den Bivvys bleiben wollte, entschied er sich alleine zu gehen. Geplante Zeit bis er wieder zurück sein müsste: 20 Minuten

Gesagt getan stiefelt er nun alleine am Rand des Sees entlang und wir sehen von Weitem seine Stirnlampe über den See strahlen. Nach ca. 10 Minuten fängt auf einmal seine Freundin an zu schreien. Irgendetwas hatte sie am Fuß berührt.
Wir konnten aber nichts erkennen. Selbst das Suchen mit den großen "Scheinwerfern" blieb ohne Erfolg.

Nach ca. 20 Minuten erwateten wir jede Minute die Rückkehr von meinem Kumpel. Jedoch war selbst nach über 30 Minuten nichts von ihm zu sehen oder zu hören.
Aus Spaß am Ärgern, machte ich nun Juli etwas Angst indem ich vortäuschte ein Geräusch gehört zu haben (allerdings aus der Richtung, von der wir niemanden erwarteten...). "Typisch Frau" war sie natürlich in kurzerster Zeit von 0 auf 100 und hörte am Schluss selbst das Gras wachsen. Etwas amüsiert macht ich mir einen Scherz daraus, sie weiter zu ärgern.

Doch auf einmal hörte selbst ich ein Geräusch, dass ich niemandem oder etwas zuordnen konnte. Juli dachte selbstverständlich wieder, dass ich sie nur verar*** will und reagierte dieses mal leicht gereizt. Ich machte meine Stirnlampe an und leuchtete in die Richtung, von der ich das Geräusch vernommen hatte. Doch ich sah nichts.

Auf einmal schrie Juli auf, sie habe etwas zum zweiten Mal am Fuß berührt. Solangsam wurde es sogar mir unheimlich. Dieses Mal wollte ich auf Nummer sicher gehen und leuchtete die Umgebung Millimeter für Millimeter ab. Auf einmal raschelte es rundherum. (Ihr Freund war immer noch nicht zurück...)

Ich stand auf und wagte mich todesmutig *grins* an das Gestrüpp und Geäst. Aufeinmal sah ich noch etwas schwarzes auf mich zu fliegen und zwei leuchtende Punkte. Ich sprang auf die Seite aber es streifte mich trotzdem noch. In den Tod erschrocken, fuhr Juli auf und lies einen mords Schrei los.

Es stellte sich heraus, dass zwei Katzen mit uns ihren Spaß getrieben hatten. Keine Ahnung woher die Viecher gekommen sind aber auf jeden Fall war ich sehr erleichtert als nach unglaublichen (ca.) 80 Minuten mein Kollege wieder auftauchte und dieser dann erstmal von seiner Freundin eine Standpauke erhielt, wieso er solange weg gewesen wäre.

Jop.. so viel zur "Nachtgeschichte" Wink
catch the carp with...

[Bild: banner-cc.jpg]
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#3
Hi, swot.

Ja, in der Nacht sind alle Katzen grau. Alles, was das Gehör kitzelt, sich aber unseren Blicken entzieht, stachelt unsere Fantasie an, lässt die Nerven vibrieren und uns Dinge sehen, die nicht unbedingt real sind.

Meist werden wir nie dahinter kommen, was unsere Sinne so durcheinander gebracht hat. Ich habe mal an einem alten Mühlteich geangelt, von dem man sich erzählte, der Müller sein durch einen monströsen Fisch in den See gezogen worden. Man soll ihn nie gefunden haben. Nach anfänglich guten Bissen, die sich zum größten Teil verwerten ließen, änderte sich das Beißverhalten bei Einbruch der Dunkelheit. Bisse, die so schlagartig kamen und von solcher Wucht waren, dass man kaum reagieren konnte. Alle Anhiebe gingen ins Leere. Als gegen Mitternacht eine meiner ausgelegten Ruten nicht mehr auffindbar war, habe ich zusammengepackt und die Flucht ergriffen.
Bis heute weiß ich nicht, was da geschehen ist, oder was mit der Angel passierte.
Dicke Brocken und nicht vergessen..., Petrus drückt ein Auge zu .
Gruß vom Petrusautor Claus
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