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Standortvorteil durch ökologische Energieerzeugung?
15.12.2007, 02:39
Beitrag #1
Standortvorteil durch ökologische Energieerzeugung?
Hallo Boardies,

in den letzten Jahren ist ja einiges über das Thema „Ökologische Energieerzeugung“ in den Medien erschienen. Egal um welche Art der „Öko-Energieerzeugung“ es sich handelte – als Vorteil gegenüber herkömmlicher Energieerzeugung wurde hauptsächlich der Nutzen für die Umwelt genannt. Entweder wurde darauf hingewiesen, wie schadstoffarm diese oder jene Technologie ist oder es wurde die Schonung von endlichen Ressourcen durch regenerative Energieträger gelobt. Für die Verbraucher, egal ob Privatmensch oder Unternehmen, sind jedoch auch die Kosten wichtig. Was nützt es z.B. einem Unternehmen, wenn die Nutzung von „Öko-Energie“ so teuer ist, dass es sich dadurch einen Wettbewerbsnachteil verschafft? Nun gibt es mindestens zwei wesentliche Faktoren, die auf die Wettbewerbsfähigkeit von „Öko-Energie“ großen Einfluss haben. Zum einen ist das die Preisentwicklung herkömmlich erzeugter Energie, zum anderen ist es die Preisentwicklung von „Öko-Energie“ selbst. Schaut man sich z.B. die Ölpreisentwicklung der letzten Jahre an, so könnte es durchaus so sein, dass andere Energieträger konkurrenzfähig werden. Die Preisentwicklung von „Öko-Energie“ selbst hängt natürlich von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht so einfach vorhersagen. Hier spielen der technische Wissensstand und die Möglichkeiten in der Produktion (z.B. Serienfertigung und Prozessoptimierung) aber auch marktwirtschaftliche Prozesse eine Rolle.

Nach diesen ganzen Vorüberlegungen möchte ich aber die Frage aus der Themenüberschrift wieder aufgreifen[Bild ansehen]: Könnte durch eine ökologische Energieerzeugung in „großem Maßstab“ ein Standortvorteil erreicht werden? Könnte z.B. ein Land wie Deutschland durch Ausbau von „Öko-Energie“ die Ansiedelung von Industrie- und Wirtschaftsunternehmen fördern? Kann sich der, in meinen Augen hohe, Investitionsaufwand lohnen?

Ich finde, diese Thema ist sehr komplex, aber es geht mir schon einige Zeit durch den Kopf.... Wie seht ihr die Sache? Welche Arten der Energieerzeugung könntet ihr euch für die Zukunft vorstellen?

Ich bin mal auf eure Meinungen zu diesem Thema gespannt.

Gruß
Wassermann

Gruß
Wassermann

Miteinander diskutieren ist besser, als gegeneinander.
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17.12.2007, 03:47
Beitrag #2
RE: Standortvorteil durch ökologische Energieerzeugung?
Hi!

Mal als erstes...der Begriff "Öko-Energie" stört mich gewaltig!
Meiner Meinung nach gibt es diese Energie nicht, wie es auch keine "saubere Energie" gibt.
Irgendwo hat jede Art der Energieerzeugung einen Haken.
Egal ob es sich um die Wasserkraft, Biogasreaktoren, Holz als regenerative Energie usw. handelt.
Wasserkraft erfordert einen erheblichen Eingriff in das Ökosystem Fluss mit seinen Folgen,
Biogasreaktoren erfordern immense Anbauflächen für die Biomasse.
Holz erfordert Monokulturen an schnellwachsenden Holzarten.
Solarzellen benötigen einen großen Aufwand in der Herstellung und haben einen niedrigen Wirkungsgrad.
Erdwärme birgt unkalkulierbare Risiken, da sich die Gewinnung nur in tektonisch aktiven Gebieten lohnt. Siehe Projekt Geothermie im Raum Basel, wo nachweislich dadurch kleinere Erdbeben ausgelöst wurden.
Link hierzu: {Dieser Link ist nur für registrierte Benutzer sichtbar. }

Man könnte vielleicht durch Kombination mehrerer Arten der Energieerzeugung die Folgen streuen, so daß sich die Folgen nicht auf ein Ereignis gravierend bemerkbar machen.
Wo Energie, egal durch welches Verfahren, erzeugt wird, entstehen in mittelbarer oder auch unmittelbarer Umgebung Auswirkungen.
Die Physik lehrt uns, daß Energie nicht aus Nichts entstehen kann, sondern immer nur eine Umwandlung aus einer anderen Energieform ist, wobei Masse auch als Energie anzusehen ist.
Ebenso kann Energie nicht verschwinden. (Energieerhaltungssatz)

Sicherlich kann eine Region sich durch einfache und vielleicht auch günstige (hier ist auch eine günstige Ökobilanz gemeint) Energieerzeugung einen Standortvorteil erwirtschaften.
Das kann ein Off-Shore-Windpark sein (wobei hier Zugvögel und auch Wanderfische beeinträchtigt werden), oder
aber auch eine günstige geologische Lage (Geothermie siehe {Dieser Link ist nur für registrierte Benutzer sichtbar. }.
Dabei sind allerdings immer die Nachteile im Hinterkopf zu behalten, besonders bei intensiver bzw. exzessiver Nutzung!
Es gibt keine Energie zum ökologischen Nulltarif.

Es gibt auch keine Energiequelle, die uns ad hoc den Ausstieg aus den fossilen Energien erlaubt, da keine Energiequelle in der Machbarkeitsbetrachtung so anzapfbar wäre, daß sie unseren Energiehunger völlig stillen könnte.
Wir werden uns wohl damit anfreunden müssen, daß beim jetzigen Stand der Wissenschaft unsere benötigte Energie nur über ein Konglomerat aus verschiedenen Energiequellen gewonnen werden kann.

Hier könnte man den Schwerpunkt auf weniger schädliche Methoden legen....falls das möglich wäre.

Nur weil die Klugen immer nachgeben, regieren die Dummen die Welt.
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17.12.2007, 07:24
Beitrag #3
RE: Standortvorteil durch ökologische Energieerzeugung?
Hallo,

ich stimme rstfeelings Ausführungen größtenteils zu. Sicherlich ist es nicht möglich, daß wir kurzfristig auf die Energie aus fossilen Brennstoffen verzichten. Doch sollten wir uns vor Augen halten, daß es sich dabei um endende Resourcen handelt. Meiner Meinung nach mu0ß das ganze über mehrere Generationen betrachtet werden und es darf auch nicht allein der jetzige Stand der Technik allein als Kriterium herangezogen werden.
Die jeweilige Nutzung von verschiedenen Energien hängt auch vom Standort ab. So bringt Solarenergie nichts, wenn die nötige Sonneneinstrahlung fehlt. Denken wir dabei doch mal globaler und an die Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung, da macht meiner Meinung nach die Nutzung der Solarenergie durchaus Sinn.
Die Nutzung von Holz, egal in welcher Form hat ebenso eine possitive Energiebilanz. Man berücksichtige dabei, daß bei der Verbrennung von Holz, wenn die erforderlichen Brennwerte beachtet werden wie Feuchtigkeit, soviel CO2 entsteht wie der Baum zum wachsen braucht.

Weiter sollte man nicht außer acht lassen, daß bei vielen Produktionsprozessen Wärme entsteht, die sich doch durchaus possitiv in die Energiebilanz einbringen läßt.

Die Gefahr darin besteht, wie rstfeeling schreibt, in der Einseitigkeit der Nutzung, welche wir ja schon in der Vergangenheit hatten. Für mich liegt eine Lösung darin, verschiedene Energieformen optimal zu nutzen unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten. Dabei ist der jeweilige Standort mit seinen Bedingungen der maßgebende Faktor.
Zum Nulltarif wird es sicherlich keine Energie geben, das dürfte jedem klar sein. Es gilt halt das Prinzip der Risikostreuung und der optimalen Nutzung bereits vorhandener Energie, die bis jetzt noch teilweise mehr oder weniger entsorgt wird, statt daß sie zur Versorgung verwendet wird.

Ich sehe bei diesem Thema das Ende der Diskusion noch lange nicht erreicht, ebenso die technischen Möglichkeiten. Die Forschung und Entwicklung geht ja jeden Tag weiter.

Wichtig ist doch schon mal, daß der Denkprozeß in dieser Richtung weitergeht und die einzelnen Möglichkeiten mal durchdacht werden.

Gruß Gast

Gott mit dir, du land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! Über deinen weiten Gauen ruhe seine Segenshand! Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau und erhalte dir die Farben seines Himmels, weiß und blau!
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17.12.2007, 16:08
Beitrag #4
RE: Standortvorteil durch ökologische Energieerzeugung?
Oh, hier wurde geantwortet[Bild ansehen]

Gruß
Wassermann

Gruß
Wassermann

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17.12.2007, 17:54
Beitrag #5
RE: Standortvorteil durch ökologische Energieerzeugung?
@ Wassermann,

so ganz kann ich Dir nicht zustimmen in Sachen Verbrennung von Kohle und Öl. Man bedenke den langen Entstehungszeitraum dieser Brennstoffe und den hohen Gehalt an Kohlenstoff. Dieser ist bei Holz geringer, so daß die sofortige Abgabe an CO2 bei Kohle und Öl höher ist als bei Holz. Deswegen verhält sich ja laut Expertenmeinung Holz CO" neutral. (Korrigiert mich wenn ich damit falsch liege).

Was Phtovoltik anbelangt, bin ich nicht ganz auf dem laufenden was den Wirkungsgrad und die Energieaufwendung für die Herstellung angeht. Außerdem ist da die Technik bestimmt noch nicht ausgereizt.

Was den Standort angeht, gibt es doch soviele Industriebauten, die auch nötig sind für unsere Wirtschaft, wo doch schon einiges an Fläche zur Verfügung steht, ohne noch zusätzlich Fläche zu verbrauchen. Mal ehrlich, schön sind solche Gebäude nicht unbedingt, aber notwendig. Warum sollte man diese Flächen nicht doppelt nutzen, indem man noch Strohm produziert.

Scheint eine interssante Diskusion zu werden, das Thema, welches Du angeschnitten hast. Würde mich freuen, wenn es noch ein wenig weiter auf diesem Niveu gehen würde.

Gruß Gast

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17.12.2007, 18:54 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.12.2007 18:55 von Wassermann.)
Beitrag #6
RE: Standortvorteil durch ökologische Energieerzeugung?
Hallo Gast,

meine Aussage zur ausgeglichenen CO2-Bilanz von Kohle war natürlich etwas provokant und auch nicht ganz richtig. Es wäre wohl besser, wenn ich mich auf die Kohlenstoff-Bilanz bezogen hätte. Wenn ich das mit der CO2-Bilanz richtig verstehe, dann wird dabei von einem CO2-Gleichgewicht ausgegangen, dass sich in "Jahrmillionen" gebildet hat - also von einem festen Anteil an CO2 in der Atmosphäre. Es kommt zwar CO2 hinzu, aber es wird auch genau soviel CO2 verbraucht, wie neu hinzukommt. Meine Frage ist nur: Über welchen Zeitraum wird das betrachtet (pro Jahr, pro Jahrtausend....)? Ich kann mir kaum vorstellen, dass der CO2-Anteil selbst ohne Einfluss des Menschen nicht schwankt. Ich will aber damit nicht ausschließen, dass es dieses Gleichgewicht, über einen gewissen ("mindestlangen") Zeitraum betrachtet, geben würde oder gibt.

Was oft außer Acht gelassen wird bei der CO2-Bilanz: Es gehen auch sämtliche CO2-Mengen mit ein, die für Transport und Verarbeitung benötigt werden. Holz setzt, wie in diesem Thema schon genannt, bei richtiger Verbrennung ("richtiges" Heizen, möglichst geringe Restfeuchte usw.) genauso viel CO2 frei, wie ein Baum während des Wachstums aufnimmt. In die CO2-Bilanz geht aber der CO2-Ausstoß der Motorsägen bzw. Forstmaschinen, der CO2-Ausstoß für den Transport und der CO2-Ausstoß für das Verarbeiten/Zerkleinern des Holzes mit ein. Wenn man ganz genau ist, so muss sogar der erhöhte CO2-Ausstoß des körperlich arbeitenden Waldarbeiters und der des Holz hackenden "Endverbrauchers" mit eingerechnet werden (achso, ich habe den Lkw-Fahrer vergessen[Bild ansehen]).

Bei den Wirkungsgraden für Solarmodule, habe ich mich auf das bezogen, was ich selbst schon gesehen habe und was aktuell auf dem Markt ist. Die 20% sind dabei wirklich schon das momentane Ende der Messlatte. Natürlich wird in Richtung Effizienzsteigerung geforscht (habe neulich erst einen TV-Bericht zur Effizienzsteigerung polykristalliner Strukturen gesehen). Was bei Stromerzeugung per Fotovoltaik, aber auch bei Stromerzeugung durch Windkraft berücksichtigt werden muss: Um effizient zu arbeiten, müsste man eventuelle "Überproduktionen" an Energie zwischenspeichern können. Zurzeit haben als "Energiezwischenspeicher" immer noch Pumpspeicherwerke den höchsten Wirkungsgrad. Die "Verluste" liegen bei modernen PSW knapp über 20% - man bekommt also nur (bzw. durchaus) knapp 80% der eingespeisten Energie wieder in Form von elektrischer Energie zurück. Pumpspeicherwerke sind aber auch nicht ohne Einschnitte in die Natur zu haben...

Gruß
Wassermann

Gruß
Wassermann

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Das Moderatorenteam bleibt, außer mir als neuem Administrator, zukünftig in seiner bisherigen Form erhalten, und auch Fisher wird uns beratend zur Seite stehen! Ich werde versuchen das Forum in seiner bisherigen Form weiterzuführen und den friedlichen und kameradschaftlichen Ton zu erhalten. Natürlich bin ich dabei auf Eure Mitarbeit und Euer Engagement angewiesen und hoffe das Ihr dem Forum weiterhin treu bleibt! Auch das Forentreffen soll wieder stattfinden, wobei ich aber noch nicht versprechen kann ob wir dies schon in diesem neuen Jahr 2012 auf die Reihe bringen werden, aber ich arbeite bereits daran!

So wünsche ich Euch ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr und unserem Forum einen reibungslosen Übergang. In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen und kameradschaftlichen Grüßen und einem kräftigen "Petri Heil! Euer Martin67

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