Immer wieder tauchen, mit schöner Regelmäßigkeit, reißerische Berichte über mit „Dioxin verseuchte“ Fische, meistens Aale, auf,
wobei schon allein der Begriff „verseucht“ hierbei völlig falsch gewählt ist, aber dieser Begriff schürt halt mehr die Angst und weckt
mehr Aufmerksamkeit, als wenn von „vergifteten“ oder „chemisch belasteten“ Fischen gesprochen wird.
Hier ein paar Infos zu DioxinEN(!). Am Anfang etwas trockene Materie zur Erläuterung. Falls Fragen sind, bitte stellen...
Dioxine sind eine ganze Klasse von chemischen Substanzen, deren gemeinsames Kennzeichen zwei durch Sauerstoff verbundene
Benzolringe sind. An den Benzolringen können an den Positionen 1-4 und 6-9 bis zu 8 Chloratome sitzen. Durch Position und Anzahl der
Chloratome sind 75 Dioxine möglich. (das mal vorneweg)
Hinzu kommen noch die „kleinen Verwandten“ der Dioxine, die so
genannten Dibenzofurane.
Im Unterschied zu den Dioxinen, sind bei den Dibezofuranen
ebenfalls zwei Benzolringe verbunden, allerdings nur über ein Sauerstoffatom.
Meist werden sie jedoch unberechtigterweise den Dioxinen gleich gestellt.
Von allen untersuchten Dioxinen, wurde das Dioxin 2,3,7,8 TCDD, als das giftigste erkannt. Dies war die Verbindung, die beim Seveso
Unfall frei wurde (es wurde bis heute nicht nachgewiesen, dass jemand in Seveso bei diesem Unfall unmittelbar durch das Dioxin
gestorben ist). Bei den Furanen ist die Toxizität geringer. So liegt sie bei dem 2,3,7,8 TCDF wesentlich niedriger, als bei dem analogen
TCDD. (schau an! Dioxin ist nicht gleich „Dioxin“!)
Für Interessierte hier der Molekülaufbau:
[Bild ansehen]
Es ist jedoch eine Differenzierung nötig. Dioxine unterscheiden sich sehr in der Toxizität. Von 75 Dioxinen haben nur die mit 4-6
Chloratomen und der Position 2,3,7,8 eine hohe Toxizität. Sowohl hochchlorierte Dioxine sind weniger giftig, wie auch niederchlorierte.
So ist das 1,2,3,4 TCDD etwa 25.000mal weniger giftig, als das 2,3,7,8. Auch das vollchlorierte Oktachlordioxin ist etwa 100.000mal
weniger giftig als das TCDD. Insgesamt sind von den über 200 Dioxinen und Dibenzofuranen 17 hochtoxisch. Für die Beurteilung
wird ein Summenparameter "Gesamt 2,3,78 TCDD" angegeben, der die gesammelte Toxizität aller gefunden Dioxine und Dibenzofurane
ausdrückt, als Menge des Seveso Dioxins.
Man spricht hier von der „Toxizitätsäquivalenz“, abgekürzt „TEQ“
Es gibt also nicht generell das Supergift Dioxin, sondern man muss differenzieren, welche Dioxine entstanden sind (meist eine Mischung)
und dann daraus die Giftigkeit errechnen. (na da wird mir doch gleich viel wohler)
Man muss bei den Dioxinen 2 Wirkungen unterscheiden:
Eine Giftwirkung bei hohen Dosen
Die Promotorwirkung (Krebs unterstützende Wirkung) bei geringen Dosen.
Die Dosis die zum Tode führt ist beim Menschen nicht bekannt.
Zahlreiche bakterielle Gifte sind wesentlich giftiger, als das Dioxin.
Das in Muscheln gebildete Saxitonin und das im als Fugu verzehrten Igelfisch enthaltene Tetrododoxin, sind zumindest genauso toxisch.
Man geht sogar davon aus, dass diese natürlichen Gifte in ihrer Giftwirkung auf den Menschen um ein Vielfaches höher anzusiedeln
sind!
Wirkung von kleinen Dosen von Dioxinen
Weit unterhalb der Dosis bei denen Dioxine akut giftig sind, wirken sie als Supressoren für das Immunsystem. Dies bedeutet, dass das
Immunsystem gehemmt wird und weniger aggressiv Krankheitserreger angreift.
Bei vorgeschädigten, zur bösartigen Wucherungen neigenden Zellen, könnte das den Ausbruch von Krebs begünstigen (nicht auslösen!)
Diese Wirkung tritt schon bei 1 ng/kg beim Menschen auf, also einer Menge die weit unterhalb der Giftwirkung liegt. (1 Nannogramm ist
1milliardstel Gramm und ist vergleichbar, wenn man 1 Stück Würfelzucker im Starnberger See auflöst!)
Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Dioxin(en) und der Entstehung von Krebs konnte bisher noch nicht nachgewiesen
werden,
allerdings konnte auch noch nicht das Gegenteil bewiesen werden.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte auf Grund des
fehlenden Gegenbeweises die Stoffgruppe der Dioxine als krebserregend ein.
Jetzt was ganz wichtiges!
Die Belastung von Nahrungsmitteln geschieht über den Kontakt mit der Umwelt, es kommt hier zu einer Akkumulation innerhalb der
Nahrungskette, weshalb die am höchsten belasteten Nahrungsmittel normalerweise die Fettpartien der Tiere sind. Pflanzliche
Nahrungsmittel sind in der Regel gering belastet, da weitgehend fettfrei. Erfreulich ist, dass ein Großteil der Belastung von den relativ
ungefährlichen hochchlorierten Dioxinen stammt. Das 2,3,7,8 TCDD wird nur selten gefunden. Die Nahrung ist daher heute als
unbelastet zu bezeichnen.
Leider wird in den einschlägigen Berichten der Presse meist nur die Massensumme der gefundenen Dioxine angegeben und die
Umrechnung auf die Toxizitätsäquivalenz-Sevesodioxin (TEQ), die IMMER wesentlich niedriger liegt, verschwiegen.
Ich will hier nichts beschönigen, aber hier wird viel Panikmache mit Grenzwerten geschürt, wobei man bedenken sollte, dass Grenzwerte
so festgelegt werden, dass selbst eine 100-fache Überschreitung keinen akuten Schaden verursacht.
Gerade beim Thema Umweltgifte/Dioxine wird viel Schindluder mit der Unwissenheit und der Angst der Verbraucher getrieben und manche
profilierungssüchtige politische Hinterbänkler spannen sich gerne vor einen Karren, den es gar nicht gilt zu ziehen, weil er einfach zu klein
ist!
Bedenkt, dass Ihr allein beim Grillen über Holzkohle ne ganze Menge mehr an giftigen Stoffen (Furane durch in die Glut tropfendes Fett,
nitrose Amine durch Pökelsalze, Acrylamide usw.) aufnehmt, als wenn Ihr mit Genuss Euren selbst gefangenen Aal futtert!
Dies ist jedenfalls mal meine Meinung zu diesem leidigen Thema...
Autor: rstfeeling