Moin
ich habe hier mal was zu meckern jetzt

Es betrifft den Bericht auf der Startseite "Was ist Fliegenfischen?". Dieser Bericht ist zwar ganz nett geschrieben, allerdings sind viele Fakten stark vereinfacht oder auch einfach schlichtweg FALSCH

Ist jetzt nicht böse gemeint, aber ich möchte gerne mal einen Kommentar dazu abgeben.
Ich werde den Bericht jetzt mal von oben nach unten abarbeiten und meine jeweilige Meinung dazu abgeben.
Ab gehts...
Zitat:Die Fliegenrute gibt es im Handel als Einhand- und Zweihandrute.
Die Einhandrute ist zwischen 1,80 und 3,00 m lang und in den Schnurklassen 2 – 10 erhältlich.
Es gibt zusätzlich noch Ruten die sowohl einhändig, als auch beidhändig gefischt werden können, dies ist allerdings weniger relevant. Diese kommen meistens eh nur in GB beim Fischen in den Loch's vom Boot zum Einsatz.
Schnurklassen reichen bei Einhändern allerdings von 00 (Sage) bis hin zu Klasse 15 (oder sogar 16).
Zitat:An kleinen Bächen setzt man eine Rute von 1,80 bis 1,40 m Länge mit der Schnurklasse 2 – 4 ein. Am großen Bach und kleinem Fluss kommt eine Rute zwischen 2,60 und 2,90 m mit einer Schnurklasse 5 – 6 zum Einsatz.
Am See und am großen Fluss wird eine Rute von 2,60 bis 3,00 m und einer Schnurklasse zwischen 5 – 7 eingesetzt. Wird im Salzwasser wird mit einer Rute zwischen 2,70 und 2,90 m Länge und einer Schnurklasse zwischen 8 – 10 (manchmal sogar bis 14) geangelt.
Naja...muss nicht, kann aber.
Ist alles sehr vereinfacht, hier an der Küste fischt der Großteil der Leute Ruten der Klasse 6-8, teilweise sogar nur #4 (Horni's).
Deshalb halte ich diese konkreten Aussagen für ziemlichen Quatsch.
Zitat:Zweihandruten werden traditionell zum Lachsfischen mit Nassfliegen an größeren Flüssen verwendet werden und mit beiden Händen geführt. Mit der Zweihandrute ist an größeren Gewässern ein ermüdungsfreies und langes Fischen über mehrere Stunden möglich. Außerdem ermöglicht die Zweihandrute das Erreichen größerer Wurfweiten, eine bessere Führung der Fliege und auch einen günstigeren Drill eines größeres Fisches.
Ermüdungsfreier...naja...Praktischer auf jeden Fall .
Weiß nicht ob man bei einer 15ft Zweihänderin noch von ermüdungsfrei sprechen kann.
Zitat:Bei den Fliegenruten kommt es auf die unterschiedlichen Rutenaktionen an.
Eine weiche (parabolische) Rute biegt sich bei Zug bis in das Handteil durch, wobei sie fast einen Halbkreis bildet. Sie ermöglicht ein langsameres Werfen und ein Fischen mit Nassfliegen und ähnlichem. Nachteil: Ein präzises Werfen ist mit dieser Rute jedoch kaum möglich.
Eine mittelschnelle (semiparabolische) Rute biegt sich bei Zug bis auf 3/5 der Rutenlänge von der Spitze her. Diese Rute ist eine gute Allround-Rute zum Trocken- wie auch Nassfischen. Sie verfügt über ein kräftiges Handteil für genügend Drillkraft und vereint Schnelligkeit mit Sensibilität. Besonders für Anfänger, aber natürlich auf für Fortgeschrittene, ist sie gut geeignet.
Harte Ruten, die sich hauptsächlich im Spitzenteil biegen, werden als Ruten mit Spitzenaktion bezeichnet und eignen sich besonders für weite, schnelle Würfe. Sie sind etwas für erfahrene Werfer und nicht für Anfänger geeignet.
Das ist der Teil, der mich eigentlich dazu angeregt hat, eine Kritik zu diesem Artikel zu schreiben.
Parabolisch heißt noch lange nicht weich, bzw. langsam. Parabolisch heißt lediglich, dass die Rute eine durchgehende Aktion hat. Wenn wir als Beispiel die Sage TCR nehmen, eine parabolische, aber trotzdem super schnelle Aktion die unglaubliche Wurfweiten ermöglicht.
Und wenn du mit einer weichen/langsamen Rute nicht präzise werfen kannst, solltest du mal an deinem Wurfstil arbeiten

Gerade auf Nahdistand wirft man damit viel gezielter.
Die nächsten beiden Aussagen über semiparabolische Ruten und welcher mit Spitzenaktion, kann so wohl stehen lassen. Allerdings gilt auch für die semiparabolischen Ruten das gleiche, wie für die parabolischen Ruten. Auch hier wird man sehr schnelle und auch sehr langsame Ruten finden.
Ruten mit Spitzenaktion sind i.d.R. schon ziemlich schnell, mir wäre jetzt keine langsame Rute mit Spitzenaktion bekannt.
Wenn ich hier von langsam und schnell rede, meine ich damit das Rückstellvermögen des Blanks. Heißt also: "Wie lange braucht der Blank um aus einer bestimmten Krümmung wieder in die gerade Position zu kommen?" Ruten mit schneller Aktion ermöglichen halt eine höhere Schnurgeschwindigkeit, die dann gleichzeitig höhere Wurfweiten und vorallem besseres Werfen bei Wind bedeuten. Wenn man denn mit schnellen Ruten umgehen kann. Die Stops müssen hier sehr genau gesetzt werden, allgemein sollte die Wurftechnik ziemlich sauber sein.
Zitat:Die Fliegenschnur ist zwischen 25 und 30 Meter lang und wird durch rhythmische Vor- und Rückschwünge mit der Fliegenrute in der erforderlichen Länge ausgebracht und gestreckt auf dem Wasser abgelegt.
Rhythmisch? Eher abgehackt. Ohne genaue Stops wird kein (Überkopf)Wurf vernünftig gelingen.
Zitat:Die Hersteller der Fliegenschnur beschreiben ihre Schnüre nach einer internationalen Norm, den AFTMA-Klassen (Gewichtsklassen 1 bis 15). Zur Erleichterung wird auf jeder Rute die passende Schnurstärke angegeben.
Dazu sollte man allerdings sagen, dass das AFTMA System ziemlich veraltet ist und kaum noch zum Tragen kommt.
Die AFTMA Klasse wird zwar noch angegeben, die urpsprünglichen Gewichte aus der Tabelle werden aber zum Teil weit überschritten.
Das AFTMA System misst die Schnurklassen nach dem Gewicht der ersten 9,15m der Fliegenschnur und wird so durch die Tabelle in Schnurklassen eingeordnet.
Es gibt an sich keine perfekte Schnur für eine jeweilige Fliegenrute. Es kommt viel mehr aufs Einsatzgebiet und vorallem auch auf den Wurfstil des Werfers an. Fischt der eine eine Schnur mit einer Keule von 18gr auf einer Rute, kann der nächste Werfer eine Schnur mit einer Keule von 21gr auf der selben Rute als perfekt ansehen.
Wie bereits erwähnt spielt hier auch das Einsatzgebiet eine große Rolle. Ich gebe mal zwei krasse Beispiele, die evtl. etwas praxisfern sind, aber dieses Problem sehr gut verdeutlichen.
Ich fische die gleiche Rute, beispielsweise eine 9ft Rute der Klasse 6 mit einer Schnur mit 12m Keule an einem kleinen Bach (Wurfweiten bis 10m erforderlich) und an einem See (Wurfweiten von 30m erforderlich). Die Rute arbeitet bei meinem Wurfstil am Besten mit 16gr vor den Ringen.
Am See kann ich nun die ganze Keule (die insgesamt 16gr hat) vor den Ringen halten und vernünftig schießen lassen. Am kleinen Bach habe ich allerdings nur Platz für 5m Fliegenschnur außerhalb des Spitzenringes, hier muss ich nun eine deutlich schwerer Schnur wählen, die auf den ersten 5m schon 16gr auf die Waage bringt.
Da bringt es dann herzlich wenig eine Schnur zu wählen, die die gleiche AFTMA Klasse wie die Rute hat.
Zitat:Für Einsteiger in das Fliegenfischen wird eine 2,70 m lange Fliegenrute für Schnurklasse 6 mit einer verjüngten schwimmenden Schnur dieser ATFMA-Klasse empfohlen.
Eine verjüngte Fliegenschnur?
Zitat:Die Gewichtsklassen 1- 4 wählt man für superleichtes Fischen auf Weißfische und Salmoniden in kleineren Gewässern. Für leichtes bis mittleres Fischen auf Äschen und Forellen, aber auch auf kleine Hechte und Karpfen wählt man die Klassen 5 – 7. Die Gewichtskassen 8 – 9 werden für das mittelschwere bis schwere Fischen auf große Hechte und große Forellen, aber auch für das Fischen im Salzwasser gewählt. Für das schwere Fischen auf Großlachse und Huchen sind die Klassen 10 – 13 gedacht und für das Fischen auf Marlin, Thunfisch, Stör etc. die Klassen 14 – 15.
Die Schnurklasse hängt aber nicht nur vom Gewässer ab, sondern auch von der Größe der zu erwartenden Fische und der verwendeten Fliege:
Bei hohem Luftwiderstand wird eine große Fliege an einer schweren Schnur angeboten, bei einer vorsichtigen Präsentation wählt man eine kleine Fliege an einer leichten Schnur
Kann ich mit leben, ist aber wieder stark vereinfacht und natürlich nciht generell geltend.
Zitat:WF (Weight Forward): Der Schwerpunkt einer Keulenschnur befindet sich durch einen dickeren Schnurmantel im vorderen Teil (9,15 m). Anschließend folgt ein dünnerer Schnurteil (Schussleine), der beim Werfen die Reibung in den Rutenringen verringert. Die Keulenschnur wird für Weitwürfe gewählt.
Eieiei, ganz großer Quatsch.
Wer hat denn bitte festgelegt, dass die Keule 9,15m lang ist?

Das ist lediglich für die Einteilung in die AFTMA Klassen, wie bereits erwähnt, von Bedeutung.
Eine WF kann eine Keule von 6m Länge haben (Bsp. Basstaper), aber auch eine Keule von 15m Länge (Longbelly's). Hier spielen dann wieder die Einsatzgebiete eine Rolle.
Longbellys sind super für große Wurfweiten, erfordern aber genug Rückraum, einen seeehr sauberen Wurfstil und vorallem wenig Wind, der Unruhe in die Schnur bringt.
Basstaper Schnüre haben das Gewicht halt sehr konzentriert auf wenigen Metern, besonders für schwere Hechtstreamer werden diese Schnüre eingesetzt, auch wenn man wenig Platz nach hinten hat sind sie sehr praktisch.
Das waren jetzt nur zwei Beispiele, gibt noch beliebig viele andere Einsatzmöglichkeiten und Keulenformen.
Zitat:ST (Shooting Taper): Ein Schusskopf besteht aus einem rund 8 m langen Kopfteil (für Zweihandruten zum Lachsfischen auch 11 bis 14 m Länge) in schwimmender und sinkender Ausführung. Sie wird in Verbindung mit einer dünnen Schussleine verwendet. Durch die extreme „Keule“ und die besonders dünne Schussleine sind Weitwürfe möglich.
Einen Schusskopf von 8m Länge halte ich für sehr kurz und auch für unschön zu Werfen.
Ich habe mich lange und häufig mit Schussköpfen beschäftigt, da sie für mich hier an der Küste die beste Fischerei bieten.
Ein Schusskopf an der Einhandrute kann auch wieder von unter 6m bis über 15m lang sein, er ist im Endeffekt nichts anderes als die Keule bei einer WF Schnur.
Standartlänge des Schusskopfes ist meistens zwischen 9m und 12m, da sie in der Praxis die besten Eigenschaften aufweisen. Hier gilt allerdings, je länger der Schusskopf, desto größer die möglichen Wurfweiten. ABER man kann aus verschiedenen Gründen halt nicht immer einen langen Schusskopf wählen. Sei es der Wind, der Rückraum, oder einfach nur große, volumige Fliegen, die die Wahl eines langen Schusskopfes verhindern.
Mit einem 8m Schusskopf wird man sicherlich keine optimalen Weitwürfe hinbekommen. Allgemein lässt sich mit dem Schusskopf nicht generell weiter werfen, als mit der WF. Sobald die Longbelly Schnur vernünftig zum Einsatz kommen kann, sind die Wurfweiten deutlich höher.
Die größten Vorteile des Schusskopfes liegen darin, dass man ihn einfach und schnell wechseln kann. So kann man innerhalb von einer Minute von einem Schwimmenden, auf einen Sinkenden Schusskopf wechseln und sich so den Bedingungen anpassen.
Für mich persönlich kommen diese Vorteile allerdings nicht zum Tragen, da ich i.d.R. eh Intermediate (also langsam sinkende) benutze.
Für MICH sehe ICH die Vorteile im Schusskopf in folgenden Fakten:
- ich kann ihn ganz genau auf meine Rute anpassen, Schussköpfe werden meistens zu lang und zu schwer ausgeliefert, man kürzt ihn nun von hinten her ein, bis er das perfekte Gewicht für meine Rute und meinen Wurfstil hat. Eine WF Schnur die auf den halben Gramm genau DAS wiegt, was ich haben möchte, ist extrem schwer zu finden und mit ordentlich Lehrgeld und Fehlkäufen verbunden.
- um weit zu werfen, muss man den Doppelzug beherrschen. Der Doppelzug wird bei einem Rechtshänder mit der linken Hand ausgeführt und beschleunigt die Schnur nochmal extrem. Beim Doppelzug treten im Spitzenring erhebliche Reibungen auf, bei jedem Wurf, an genau der gleichen Stelle der Fliegenschnur. Fürs Coating (Ummantelung der Fliegenschnur) bedeutet das ziemlich schnell das Ende an dieser Stelle

Eine WF Schnur könnte ich jetzt wegschmeißen, beim Schusskopf kann ich einfach den kaputten Meter Runningline abschneiden und den Schusskopf neu einschlaufen.
Verwende ich Monofile Runninglines, tritt dieser Effekt natürlich gar nicht erst auf.
Das reicht jetzt zum Schusskopf, zu diesem Thema könnte man Bücher füllen, will ich jetzt aber nicht.
Zitat:Die Wurftechniken lässt man sich am besten von einem erfahrenen Fliegenfischer beibringen. Noch besser ist es, man besucht einen Wurfkursus. Falls man sich das Fliegenwerfen doch alleine beibringen möchte, so geht das am besten mit Hilfe eines Videofilmes.
Das unterschreibe ich! Versaut euch den Wurfstil nicht direkt durch blödes rumgepeitsche, das bekommt ihr nur sehr schwer aus eurem Bewegungsablauf raus
Zitat:Die Fangaussichten sind um so größer, je besser die Imitation in ihrer Größe, Farbe und Form den natürlichen Insekten entspricht, die gerade auf dem Speiseplan der Fische stehen.
Stimmt so nicht. Teilweise hast du sicherlich recht, aaaber teilweise muss die Fliege auch einfach nur reizen und sich von anderen, natürlichen Insekten, abheben.
Was macht die Forelle wohl aggressiv und löst den Beißreflex aus, eine natürliche Garnele zwischen 2000 anderen, oder eine, die sich von den anderen abhebt?

Aber teilweise sollte man schon eine sehr natürliche Imitation wählen.
Ist ziemlich tagesform abhängig.
Zitat:Beim Nassfischen wird eine künstliche Fliege unter der Wasseroberfläche angeboten, d.h. der Köder wird dicht unter der Oberfläche, im Mittelwasser oder in besonderen Fällen sogar hart am Grund geführt.
Nassfliegen täuschen entweder ein im Wasser lebendes Insekt vor, sie können aber auch ein ertrunkenes, unter Wasser geratenes Insekt in seinen verschiedenen Entwicklungsphasen imitieren.
Nein Nein Nein...
Nassfliegen werden klassisch direkt unter der Wasseroberfläche angeboten!
Solls tief runter gehen, werden schwere Nymphen und Streamer benutzt.
Zitat:Beim Streamerfischen wird eine besonders große Nassfliege, die sich gegenüber herkömmlichen Nassfliegen durch eine spezielle Bindeweise auszeichnet, intervallartig gezogen, also aktiv im Wasser geführt.
Der Streamer unterscheidet sich in sofern von der Nassfliege, dass er einfach keine ist

Nassfliegen haben keine oder kaum Eigenaktion, ein Streamer soll unter Wasser richtig leben.
Gibt auch schwimmende Streamer, z.B. Rehkopfmuddler, diese ziehen auf der Oberfläche eine richtige Spur oder schieben sogar eine Bugwelle vor sich her, die ordentlich Druck macht. Vergleichbar mit Poppern.
Streamerfischen ist auch wieder so eine Sache, die ein ganzes Buch füllen könnte. Vom extrem tiefen Fischen auf Pollack in Köhler in Norwegen, bis hin zum Oberflächenfischen mit Muddlern auf Hecht
Zitat:Im Frühjahr und Herbst ist die beste Tageszeit tagsüber. Im Sommer besonders morgens und abends und im Winter bei sonnigen Mittagsstunden.
Mag an deinem Bach zwar hinhauen, ist aber sicherlich nicht generell zu sagen.
Sooo....entschuldigt, falls ich manche Sachen etwas härter formuliert habe, ist aber nicht böse gemeint.
Ist halt unsere norddeutsche Art